Gedanken für das Jahr 2024

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, liebe Freunde und Interessierte unserer Stadt, liebe Pfullingerinnen und Pfullinger,


das Leben weltweit ist auch im Jahr 2023 zu einer extremen Herausforderung für uns alle geworden, verbunden mit Ängsten und Hoffnungen gleichermaßen. Dies wird wohl auch für das Jahr 2024 gelten.


Als stets positiv denkender Mensch halte ich mich zuerst an die Mut machenden Momente – denn die gibt es im Leben immer wieder. Wir müssen sie in unserem Alltag nur wahrnehmen und uns auf sie einlassen!


Vielleicht kann uns die „Geschichte vom verlorenen Geldbeutel“ dabei etwas helfen.


Es handelt sich um eine wahre Geschichte, die sich kürzlich zwar nicht in Pfullingen, aber in der Region tatsächlich so zugetragen hat.


Ein Großvater hat sich in den Herbstferien mit seinen Kindern, Enkelkindern und anderen nahen Familienmitgliedern in einem Hotel zum jährlichen Familienwochenende getroffen. Am Sonntagabend sind alle Mitreisenden, rund 20 Personen, nach drei vergnüglichen Tagen und gemeinsam erlebten Eindrücken wieder wohlbehalten in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Alles ist wieder an seinem Platz.


Fast alles, denn der Großvater sucht schon seit mehr als zwei Stunden händeringend nach seinem Geldbeutel. Das gibt es doch nicht, sagt er sich. Den habe ich doch noch im Hotel bei mir gehabt und daraus ordnungsgemäß meine Übernachtung bezahlt. Es ist wie verhext. Das Portemonnaie bleibt trotz weiterer Suche verschwunden. Tags darauf werden systematisch nach und nach alle Räume der Wohnung durchsucht – ohne Erfolg. Parallel dazu informiert der zunehmend ratlose Großvater alle seine Mitreisenden über seine verlorene Geldbörse. Doch sie können ihm leider nicht weiterhelfen. Umgehend wird auch im Landhotel des Familienwochenendes nachgefragt, aber dort hat niemand den herrenlosen Geldbeutel entdeckt. In Absprache mit dem Großvater informiert die Hotelleitung zur Sicherheit das dortige Fundamt.

Zunehmend unruhiger werdend, meldet der Großvater den Verlust seines Geldbeutels ebenso auch dem Fundamt seiner Heimatstadt. Aber auch dort: Fehlanzeige – von der vermissten Brieftasche samt Inhalt keine Spur! Überhaupt der Inhalt: neben einem kleineren Geldbetrag sind dort wichtige Papiere durch den Besitzer sprich den Großvater fein säuberlich einsortiert gewesen. Als da wären: Bank- und Versicherungskarten, Führerschein und Personalausweis und im Münzgeldfach: ein Ersatz- Wohnungstürschlüssel. Selbstverständlich ist die Sperrung der Bank- und Versicherungskarten bereits gleich nach dem bemerkten Verlust veranlasst und zugleich entsprechende Ersatzkarten beantragt worden. Gleiches gilt für den Führerschein und für den Personalausweis, stets verbunden mit der Auskunft der zuständigen Behörde, dass in der Regel mit einer mehrwöchigen Bearbeitungsdauer sowie entsprechenden Bearbeitungsgebühren zu rechnen sei.


Die Tagesabläufe des Großvaters und seiner Familie sind in den folgenden Tagen und Wochen von laufend wiederkehrenden Suchaktionen nach der verloren gegangenen Geldbörse geprägt – immer neue Ideen und gut gemeinte Ratschläge erreichen den genervten Großvater, wo er denn am besten noch nach dem guten Stück suchen könnte.

Mit der Dauer schwindet bei fast allen Beteiligten die Hoffnung, dass der vermisste Geldbeutel doch noch auftauchen wird. Den kannst du vergessen, der ist und bleibt weg! Solche oder so ähnliche Kommentare erhält das zunehmend frustrierte Familienoberhaupt aus seinem Umfeld!

Nur einer seiner Neffen spricht ihm immer wieder Mut zu. „Dein Geldbeutel wird sich bestimmt wieder einfinden, denn der ist doch bis auf den Geldinhalt für andere Personen völlig wertlos.“

Aber das lässt der besorgte Großvater und Onkel seinem Neffen gegenüber nicht gelten und entgegnet ihm stattdessen: „Weißt du, Ich schlafe nachts immer schlechter und muss mich wahrscheinlich demnächst auch noch auf Einbrecher einstellen, die mir dann mit Hilfe des im Geldbeutel befindlichen Schlüssels meine Wohnung leerräumen…


Einige Wochen später – mitten in der Adventszeit. Der Großvater erhält ein Schreiben von der Stadt. Oh je, Post von der Stadt bedeutet sicher nichts Gutes, das ist bestimmt eine Verwarnung mit einem anhängenden Zahlschein, weil ich sicher irgendwo zu schnell gefahren bin, so seine erste Reaktion.

Mit einem unguten Gefühl öffnet der Großvater die ordnungsgemäß frankierte Fensterbriefhülle.


Doch der Wortlaut des Briefes ist anders als erwartet: „Mit diesem Schreiben teilen wir Ihnen heute mit, dass Ihre Geldbörse mitsamt Inhalt aufgefunden worden ist. Bitte melden Sie sich in den nächsten Tagen persönlich bei unserem Bürgerservice, damit wir Ihnen Ihren Geldbeutel nach Bezahlung einer Verwaltungsgebühr in Höhe von 5,00 Euro aushändigen können. Mit freundlichen Grüßen Ihr Bürgeramt.“

Der völlig überraschte Großvater hat sich zwar zunächst einmal ziemlich über die festgesetzte Verwaltungsgebühr geärgert, aber schließlich hat seine Freude über das Wiederauftauchen seines verlorenen Geldbeutels doch eindeutig überwogen.

Aber nun stellen sich dem Großvater ganz neue Fragen: Wo genau ist der Geldbeutel gefunden worden und vor allem: Wer hat ihn gefunden? Wann ist der Geldbeutel bei der Stadt abgegeben worden? Wird neben der zu bezahlenden Verwaltungsgebühr etwa auch noch ein Finderlohn fällig? Und was bedeutet denn die Formulierung „mitsamt Inhalt“?

Einigermaßen angespannt hat sich dann der Großvater gleich am nächsten Tag auf den Weg zum Bürgeramt seiner Heimatstadt gemacht – und: er sollte dort vor Ort durchaus überraschende Dinge erfahren! Die verlorene Geldbörse war zwar durch die vielen Regenfälle der vergangenen Wochen noch etwas durchnässt, aber ansonsten völlig intakt und mit komplettem Inhalt versehen, selbst das Geld war noch vollzählig vorhanden!

Drei Fragen sind dann letzten Endes offengeblieben. Der sichtlich verblüffte Großvater hat im Bürgeramt die Auskunft erhalten, sein Portemonnaie sei vor kurzem von der Finderin oder vom Finder ganz offensichtlich einfach anonym in den Briefkasten einer städtischen Dienststelle eingeworfen worden! Der nun in vielerlei Hinsicht erleichterte Großvater hat seinen wiedergefundenen Geldbeutel zuhause vorsichtig auf dem Ofen trocknen lassen und sich währenddessen bei einer Tasse Tee und Adventsgebäck überlegt, welche Wege genau denn sein Geldbeutel in den vergangenen Wochen wohl zurückgelegt hat. Vor allem hat er sich darüber gefreut, dass es noch ehrliche Mitmenschen gibt – und hat es sehr bedauert, dass er sich nicht bei der Finderin oder dem Finder persönlich bedanken kann!


Zurück nach Pfullingen. Ja, wir leben in einer tollen Stadt – und wir können in unserem Alltag auch von ganz jungen Menschen sehr viel lernen. Als da wären: die Schülerinnen und Schüler einer vierten Pfullinger Grundschulklasse. Ihnen und ihrer Klassenlehrerin habe ich vor einigen Wochen auf deren besonderen Wunsch hin bei einem Stadtrundgang unter anderem auch den ehemaligen Luftschutzkeller unter dem Städtischen Kindergarten in der Schulstraße gezeigt.


Bei der Kennenlernrunde zu Beginn unseres Rundganges antworten zwei Schüler auf meine Frage, welches denn ihr Heimatland ist: „Das ist doch eigentlich egal, meine Familie kommt aus Russland und die Familie von meinem Freund stammt aus der Ukraine – wir beide sind beste Freunde – das allein zählt!“

Überhaupt sind mir die Jugendlichen, deren Familien gebürtig aus insgesamt rund 10 Nationen quer durch Europa und darüber hinaus stammen, von Anfang durch ein gutes und fürsorgliches Miteinander positiv aufgefallen. Am Ende der Führung durch den ehemaligen Luftschutzkeller stand die zentrale Frage der Schülerinnen und Schüler im Raum: „Was können denn wir von unserer Seite aus beitragen, dass es in der Welt friedlicher zugeht?“ Meine Antwort darauf: „Lebt und pflegt euren Umgang untereinander und vor allem weiterhin eure tolle Klassengemeinschaft, wie ich sie heute kennengelernt habe – das ist ein sehr guter Beitrag von euch zu einem friedlichen Miteinander!“


Lassen Sie uns am Beispiel der Pfullinger Schülerinnen und Schüler unvoreingenommen, dabei stets positiv denkend und handelnd sowie respektvoll, höflich und zuhörend aufeinander zugehen!


Gleichzeitig müssen wir alle wachsam sein gegenüber Menschen, welche mit politischen Ideologien unsere Demokratie bedrohen. Wer unsere Grundrechte und damit die Menschenwürde derart mit Füßen tritt, ist eine große Gefahr für unsere Gesellschaft! Lassen Sie uns deshalb alle gemeinsam für unser höchstes Gut, die Demokratie, und die Menschenrechte, offen Tag für Tag aktiv einstehen!


In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen alles erdenklich Gute, verbunden mit viel Zuversicht für das Jahr 2024 sowie gute gemeinsame Überlegungen für unsere Möglichkeiten und Projekte hier in Pfullingen und darüber hinaus! Seien Sie behütet – und bleiben Sie gesund!

Persönliche Erinnerungen an "33 Jahre Deutsche Einheit" aus Pfullinger Sicht


Liebe Lichtensteinerinnen und Lichtensteiner in Sachsen, liebe Pfullingerinnen und Pfullinger,

im Oktober 2023 haben wir uns an „33 Jahre Einheit in Deutschland“ erinnert. Wir feiern diesen Tag der Deutschen Einheit jährlich seit dem 3. Oktober 1990 – dabei haben ganz grundlegende Ereignisse als wesentliche Grundlagen für die Deutsche Einheit bereits im Herbst 1989 stattgefunden. Jede und jeder von uns hat hier mehr oder weniger seine ganz eigenen, persönlichen Erlebnisse aus diesen über drei Jahrzehnten.

Bei den älteren Generationen reichen die Erinnerungen natürlich noch viel weiter zurück. Oftmals die Kriegs- und Nachkriegsjahre erlebend, ist sehr vielen Menschen besonders die belastende Zeit der Trennung und Teilung unseres Landes bis heute noch sehr präsent. Viele der jüngeren Generationen sind „Kinder der Einheit“ im Sinne des Wortes: sie sind im vereinten Deutschland aufgewachsen und kennen die Zeiten vor der friedlichen Revolution und dem „Mauerfall“ im November 1989 nur aus den Geschichtsbüchern und durch Erzählungen ihrer Eltern, Großeltern und weiteren älteren Verwandten. Der Grundstein für unsere Einheit wurde mit den Geschehnissen im Herbst 1989 und hier konkret insbesondere am Abend des 9. November 1989 durch den „Fall der Mauer“ gelegt.

Immer wieder denke ich an die Ereignisse im November 1989 zurück – deshalb möchte ich gerne nachfolgend von meinen ganz persönlichen Erinnerungen damals berichten. Zunächst war da unsere gemeinsame familiäre Reise nach Berlin.

Vom 28.10. – 02.11.1989 war unsere vierköpfige Fink-Familie zu Besuch bei Verwandten in Berlin-Wilmersdorf (Westteil der Stadt), verbunden u.a. mit einer sehr informativen 1-tägigen Stadtführung in Berlin-Mitte (Ostteil der Stadt) durch einen Fachkollegen (Sprengmeister) aus Berlin, der damals die Abteilung Sprengwesen in der DDR in Form eines Kombinates federführend leitete. Mehr als beklemmend in Erinnerung geblieben ist mir bis heute der Grenzübertritt morgens am Bahnhof Friedrichstraße in den Ostteil der Stadt und abends dann die „Ausreise“ über den sogenannten „Tränenpalast“ zurück nach Berlin-West. Erste Station unseres Stadtrundgangs im Berliner Osten durch den Spreng-Fachkollegen war damals der Halt am Bert-Brecht-Denkmal auf dem Platz vor dem „Berliner Ensemble“ am Schiffbauerdamm. „Und den Bertold Brecht kennt ihr ja als Pfullinger…“ meinte er im Hinblick auf Bert Brechts mehrfache Ferienaufenthalte bei seinen Großeltern im Pfullinger Bahnhofsgebäude, wo Brechts Großvater Bahnhofsvorsteher war.

Am Abend des 1. November 1989 blickte ich zusammen mit meinen beiden Cousins und meinem Bruder beispielsweise am Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg über die Mauer in Richtung Berlin-Mitte und Friedrichshain. Es war eine ganz eigenartige Stimmung in der geteilten Stadt – wir wussten natürlich um die Demonstrationen zur Einleitung von Reformbewegungen in der DDR und auch wir hofften auf demokratische Veränderungsprozesse. Zugleich waren wir uns trotzdem bewusst, dass die Mauer wohl leider noch lange fortbestehen würde. Im Gespräch auf dem Holzpodest an der Grenze stehend, überlegten wir uns damals, wann denn die Mauer endlich eines Tages real fallen könnte. Unsere Einschätzungen lagen damals beim Jahr 2000-X. Niemand von uns hätte gedacht, dass sich die ganze Geschichte friedlich schon wenige Tage später so zum Guten wenden könnte.

Wieder zurück in Pfullingen, hatten wir am Abend des 9. November 1989 ab 20.00 Uhr eine Sitzung des Verantwortlichenrates (VR) unseres Evangelischen Jugend- und Familienwerks CVJM Pfullingen. Dort wurde beispielsweise von unserer Jugendreferentin über den Besuch einer Pfullinger Jugendgruppe Anfang November 1989 in unserer Patenkirchengemeinde in Jena berichtet. Diese Pfullinger Besuchergruppe hatte sich damals in Jena gemeinsam mit unseren couragierten Gastgebern an verschiedenen Kundgebungen beteiligt. Wir vom Verantwortlichenrat des CVJM haben damals, wenn ich mich noch recht erinnere, kurzfristig sogar ein kleines Radio für unsere Sitzung organisiert, damit wir immer die neuesten abendlichen Meldungen parallel zu unserer Tagesordnung mitverfolgen konnten. Und wir waren alle vom Mut der Bevölkerung der DDR in den Kirchen und auf den Straßen in diesen Tagen und Wochen tief beeindruckt!

Die Ereignisse im Herbst 1989 haben bis heute mein Leben nachhaltig verändert und geprägt. Und das sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht.

Beispielsweise habe ich beruflich neben meinem BWL-Studium mit Schwerpunkt Personal in Stuttgart auch sehr umfangreiche Aus- und Fortbildungen im Bereich der gewerblichen Sprengtechnik absolviert. Meine Grundausbildung zum Sprengberechtigten (Sprengmeister) absolvierte ich in Baden-Württemberg, wesentliche Fortbildungen, so etwa im Bereich Abbruchsprengtechnik, dann aber in Sachsen an der Dresdner Sprengschule mit der Prüfung durch das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Eine Möglichkeit, an die vor 1989 niemand geglaubt hat, konnten sich doch die Sprengfachleute aus der Bundesrepublik und der DDR bis dahin jahrzehntelang immer nur auf Internationalen Tagungen im Ausland wie etwa in Linz an der Donau in Österreich begegnen und fachlich austauschen.

Bereits im Dezember 1989 haben sich die beiden Sprengverbände, der „Sprengverband der Bundesrepublik Deutschland“ und die „Wissenschaftliche Sektion Sprengwesen der Kammer der Technik der DDR“ zu ersten Gesprächen in Berlin getroffen, was im November 1990 zur Vereinigung beider Verbände im Deutschen Sprengverband geführt hat. Damit war einer der ersten gesamtdeutschen Berufsfachverbände im wiedervereinten Deutschland entstanden.

Da mein vor einigen Jahren verstorbener Vater Konrad Fink neben seiner beruflichen Tätigkeit als Sprengunternehmer und Sprengsachverständiger von 1981 bis 1999 im Sprengverband ehrenamtlich als Vorstandsmitglied sowie in der sprengtechnischen Aus- und Fortbildung jahrzehntelang bis zu seinem Tod 2018 sehr aktiv war und dort im Deutschen Sprengverband etwa über viele Jahre hinweg den Fachausschuss für „Abbruchsprengtechnik und Sonderverfahren“ geleitet hat, sind in dieser langen Zeit sehr viele berufliche und private Kontakte und Verbindungen entstanden, welche sich vielfach bis heute freundschaftlich auf unsere ganze Familie übertragen haben.

Seit meiner Schul- und Studienzeit leite ich immer wieder Kultur- und Stadtrundgänge in Pfullingen und anderen Regionen in Baden-Württemberg, seit 1990 auch in Berlin, Thüringen und Sachsen für unsere Pfullinger vhs und andere interessierte Vereine und Gruppierungen.

Bereits im Februar 1990 konnte damals die Jugendgruppe aus unserer Patenkirchengemeinde Jena zu einem ersten Gegenbesuch nach Pfullingen kommen – gerne habe ich den Jugendlichen und ihren Betreuern unsere Pfullinger Besonderheiten gezeigt. Die ganze Begegnung und der gemeinsame Empfang auf dem Pfullinger Rathaus bei Bürgermeister Heß waren mit sehr großen Emotionen verbunden. Diese kirchliche Partnerschaft zwischen Jena und Pfullingen besteht übrigens bis heute.

Im Mai 1990 durfte ich die beiden Vertreter der Schulleitung des Lichtensteiner Gymnasiums Prof. Dr. Max Schneider bei ihrem ersten Besuch in Pfullingen bei einem besonderen Stadtrundgang begleiten – für mich eine tolle Begegnung und zugleich bleibende Erinnerung sowie mit guten persönlichen Kontakten bis heute!

Am 25. Januar 1991 führte ich dann erstmals eine kleinere Gästegruppe aus Lichtenstein/Sachsen durch Pfullingen, im Frühjahr und im Sommer 1991 waren dann weitere Gruppen aus Lichtenstein bei uns zu Gast, zahlreiche Begegnungen folgten bis heute, vor allem auch zwischen den beiden Freundeskreisen des Lichtensteiner Gymnasiums Prof. Dr. Max Schneider und des Pfullinger Friedrich-Schiller-Gymnasiums sowohl in Lichtenstein/Sachsen als auch bei uns in Pfullingen.

Alle Begegnungen – beruflich und privat – waren und sind für mich – immer wieder sehr spannend und beglückend – es sind dadurch auch viele Freundschaften entstanden.

Zurückblickend auf die Ereignisse des Jahres 1989 empfinde ich persönlich eine sehr große Dankbarkeit, dass es ein Zusammenkommen des geteilten Deutschlands im Rahmen einer friedlichen Revolution gewesen ist.

Wenn man die Geschichte der Trennung seit dem Mauerbau teilweise hautnah miterlebt hat – ich persönlich war 1978 erstmals in Berlin (Ost und West) und 1982 erstmals in Leipzig – kann man diesen „Glücksfall der Geschichte“ nicht hoch genug einschätzen! Und vieles hat sich in den vergangenen über 30 Jahren nach und nach entwickelt, ist gewachsen und steht vielfach gestärkt da – nicht zuletzt aufgrund unserer in weiten Teilen gemeinsamen Geschichte. Aber es bedarf eines stetigen Einsatzes und vor allem auch der mahnenden Erinnerung!

Trotz mancher Schwierigkeiten oder nach wie vor bestehenden Ungleichheiten im Kleinen und im Großen war und ist die Wiedervereinigung für mich persönlich und für viele von uns eine riesengroße Bereicherung! Die Bedeutung der Städtepartnerschaft zwischen Lichtenstein/Sachsen und Pfullingen kann deshalb nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Ausgehend von den ersten Begegnungen der beiden Schulen und unserer damaligen Bürgermeister Sedner (Lichtenstein) und Heß (Pfullingen) mit ihren Stadtverwaltungen ist eine Freundschaft und verlässliche Partnerschaft entstanden, die weder viele Pfullingerinnen und Pfullinger noch ich missen möchten. Aus diesem Grund haben sich sowohl in Lichtenstein als auch in Pfullingen in den vergangenen Jahrzehnten bis heute sehr viele Menschen aller Generationen einzeln sowie in Vereinen und Gruppierungen für unsere Städtepartnerschaft engagiert, beispielsweise in den regelmäßigen Begegnungen zwischen unseren beiden Geschichtsvereinen.

Denn eine Partnerschaft lebt vom regen, gemeinsamen Austausch bei den privaten und offiziellen Begegnungen der ganz unterschiedlichsten Art in Sachsen und in Baden-Württemberg und kann nur so weiter zusammenwachsen und gefestigt werden!

Das alles empfinde ich persönlich wie gesagt als sehr bereichernd. Und gleichzeitig lernen wir ja auch von einander, haben Ideen, die in gemeinsame Projekte münden. In diesem Sinne gilt es, unsere Städtepartnerschaft auch weiterhin zu stärken. Das muss uns allen ein wichtiges gemeinsames Anliegen sein.

Das setzt nicht nur das Engagement unserer „Zeitzeugengeneration“ voraus, die wir die friedliche Revolution 1989 und das Zusammenwachsen beispielhaft miterlebt haben, sondern auch die junge Generation von heute muss sich hier nach Kräften einbringen. Daher müssen wir Älteren vor allem die jüngeren Generationen immer wieder an die Ereignisse von 1989 erinnern!

Sowohl Lichtenstein als auch Pfullingen bieten hier gute Grundlagen, um das gemeinsam Begonnene auf allen Ebenen fortzusetzen. Gemeinsam gilt es, neue Chancen zu erkennen, neben guten und erfahrenen Wegen auch neue Wege zu gehen und Horizonte zu öffnen.

Unvergesslich bleibt für mich persönlich deshalb auch die Teilnahme in meiner Eigenschaft als stellvertretender Pfullinger Bürgermeister am Festakt zum „25. Jahrestag friedliche Revolution“ am 9. November 2014 in der vollbesetzten St. Laurentiuskirche unserer Partnerstadt Lichtenstein/Sachsen.

Die Begegnung mit Freunden – genau das macht eine gute und verlässliche Städtepartnerschaft aus – eine Freundschaft, die trägt. Ein wirklich entscheidender „Mehrwert“, den uns in Lichtenstein/Sachsen und in Pfullingen niemand nehmen kann! 

Stellungnahme von Martin Fink zum Ausgang der Pfullinger Bürgermeisterwahl am Sonntag, 16. Mai 2021 

Herzlichen Dank! 

Als Erstes möchte ich Herrn Stefan Wörner zur Wahl des Bürgermeisters unserer Stadt Pfullingen ganz herzlich gratulieren. Das ist ein klares und eindeutiges Ergebnis. Die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hat sich damit für das Angebot mit den Inhalten des Wahlprogramms, welches Herr Wörner vertritt, entschieden. Als überzeugter Demokrat respektiere ich dieses Wahlergebnis voll und ganz. Mein herzlicher Glückwunsch gilt natürlich auch der ganzen Familie Wörner.

Ihr engagierter Wahlkampf unter dem Motto "Neuer Schwung für Pfullingen" hat große Erwartungen geweckt. Bei all ihrem Engagement als neuer Bürgermeister für unsere Stadt wünsche ich Ihnen, Herr Wörner, eine gute Hand, Gesundheit und auch das notwendige Glück. Von meiner Seite aus freue ich mich auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit mit Ihnen im Gemeinderat und als stellvertretender Bürgermeister.

In den kommenden Tagen und Wochen bis zu Ihrem Amtsantritt auf dem Pfullinger Rathaus werde ich als ehrenamtlich gewählter 1. stellvertretender Bürgermeister wie bisher die Amtsgeschäfte führen. In dieser Zeit werden wir uns sicher laufend abstimmen, damit eine gute und reibungslose Übergabe der Amtsgeschäfte gewährleistet sein wird. Auch hier sage ich Ihnen gerne meine volle Unterstützung zu.

 
Bei meinen Wählerinnen und Wählern möchte ich mich herzlich dafür bedanken, dass sie mir ihre Stimme gegeben haben. Dieses Wahlergebnis empfinde ich persönlich als ein sehr ehrliches Ergebnis, das ist mir wichtig, da ich meine Art des Wahlkampfes mit den damit verbundenen Inhalten und Rahmenbedingungen von Anfang an stets deutlich kommuniziert und zu Brennpunktthemen, wie etwa zum Großprojekt Regionalstadtbahn, immer schon klar Stellung genommen habe.

Bei meiner Familie und bei einigen Menschen in meinem engeren und weiteren persönlichen Umfeld möchte ich mich sehr herzlich für so manches gute, motivierende Gespräch sowie für die konstruktive, kritische, vertrauensvolle und wertschätzende Unterstützung im Rahmen meiner Kandidatur bedanken. Für die vielen positiven Rückmeldungen aus der Pfullinger Bevölkerung in den letzten Wochen und Monate sage ich ebenfalls ganz herzlichen Dank! 


Ausdrücklich bedanken möchte ich mich heute Abend auch nochmals bei den drei anderen Mitbewerbern des ersten Wahlganges, Herrn Bohnert, Herrn Plankenhorn und Herrn Gottaut, dass sie mit ihrem Engagement und ihren Ideen im Wahlkampf dafür gesorgt haben, dass die Pfullingerinnen und Pfullinger eine echte Auswahl hatten. Denn jede Wahl lebt von einer guten Auswahl. Auch das war mir von Anfang an wichtig. 

 

Zahlreiche ehrenamtliche Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, der Gemeindewahlausschuss und das Team der Verwaltung haben dafür gesorgt, dass trotz der schwierigen Pandemiebedingungen diese Bürgermeisterwahl an zwei Wahlsonntagen durchgeführt werden konnte. Vielen Dank dafür.

 
„Suchet der Stadt Bestes" wird weiterhin mein Kompass für mein Engagement für diese tolle Stadt und ihre Menschen sein. Als mit einem sehr starken Mandat bei der letzten Kommunalwahl 2019 jeweils gewählter Stadtrat, Kreisrat und stellvertretender Bürgermeister freue ich mich sehr darauf, auch weiterhin die Zukunftsfragen meiner Heimatstadt Pfullingen in den Gremien hier vor Ort und auf Kreisebene aktiv mitzugestalten.

 
Der Wahltag heute hat nicht nur für die Stadt Pfullingen und ihre Menschen endlich die dringend notwendige Klarheit gebracht – auch ich selbst kann mich in absehbarer Zeit beruflich wieder voll auf meine beiden Hauptberufe in Sachen Personalberatung und Sprengtechnik konzentrieren, zwei sehr spannende Berufe, die in dieser Kombination in Deutschland nur sehr selten vorkommen – ich werde daher beide Tätigkeiten mit großer Freude und vollem Engagement auch weiterhin ausüben!

 
Und weil ich das auch immer wieder gefragt werde: Mir persönlich geht es wirklich gut, ich habe meinen Halt auf dem festen Fundament des christlichen Glaubens. Meine Kandidatur bei dieser Pfullinger Bürgermeisterwahl war für mich insgesamt eine schöne weitere Lebenserfahrung!

1. Acht Wochen Bürgermeister-Wahlkampf in Pfullingen - Ihr Fazit 

Dass die Bürgerinnen und Bürger am Wahlsonntag eine gute Auswahlmöglichkeit haben, spricht für die Attraktivität unserer Stadt. Wenn jetzt sogar Stadtoberhäupter aus der Region sich mit Empfehlungen für einzelne Bewerber einbringen, ist das ungewöhnlich und macht deutlich, dass diese Bürgermeisterwahl auch außerhalb von Pfullingen aufmerksam verfolgt wird. Es bleibt aber dabei, die Pfullingerinnen und Pfullinger brauchen keinen Rat von außen und wissen am besten, was und wer ihrer Stadt gut tut .

2. Sie haben nicht plakatiert! - warum?

Wahlplakate und damit verbundene plakative Aussagen passen nicht zu mir. Die Zukunftsthemen Pfullingens verlangen differenzierte und kenntnisreiche Antworten. Statt Wahlplakate zu finanzieren, habe ich dem DRK Pfullingen für seinen Einsatz rund um das Schnelltestzentrum eine Spende über € 500 überreicht 

3. Sie waren auch nicht in den sozialen Medien unterwegs. Dort stellen Ihre Mitbewerber die Bedeutung der beruflichen Qualifikation bzw. der Lebenserfahrung heraus. Was ist Ihre Meinung dazu? 

 Das stimmt. Für mich kam „nur" eine Internetseite und eine Wahlinfobroschüre in Frage – übrigens nicht von einer Agentur. Das war Teamarbeit in der Familie zwischen meinem Bruder Christian, meinem Neffen Mathis und mir sowie in der Umsetzung der Broschüre ging mein Auftrag an zwei Pfullinger Betriebe und Geschäftspartner. Da ich schon vor dem Wahlkampf auf Facebook & Co. nicht unterwegs war, habe ich darauf verzichtet. Statt Fotos und Statements zu posten, war es mir wichtiger, meine derzeitigen Aufgaben als stellvertretender Bürgermeister zu erfüllen und die nicht immer einfachen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Pandemiebekämpfung zu treffen. Sowohl mit beruflicher Qualifikation als auch mit Lebenserfahrung kann ich dienen. Man muss aber kein Verwaltungsdiplom haben, um ein guter Bürgermeister zu sein. Das Beispiel des letzten Bürgermeisters hat gezeigt, dass Verwaltungsdiplom und Verwaltungserfahrungen auch keine Erfolgsgarantie sind. Es ist doch gut, dass die Pfullingerinnen und Pfullinger am Sonntag zwischen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Profilen auswählen können 

4. Ihre Skepsis gegenüber der Regionalstadtbahn wurde als „Kirchturmpolitik eines Ewiggestrigen“ kritisiert – was sagen Sie dazu?

Wer mich kennt, weiß, dass ich für neue, kreative Ansätze immer aufgeschlossen bin. Wer sich ernsthaft mit Szenarien für die Mobilität von Morgen beschäftigt, wird erkennen, dass in zehn, fünfzehn Jahren autonom fahrende Robotaxis und Roboshuttles die Spielregeln des ÖPNV und der Mobilität insgesamt revolutionieren werden. Vielleicht werden dann rückblickend einige sagen: Martin Fink hatte mit seiner Skepsis recht, als er die Zukunftsfähigkeit der Regionalstadtbahn bezweifelte. Zum Vorwurf der Kirchturmpolitik: Der Bürgermeister von Pfullingen leistet einen Amtseid. Er soll sich zum Wohl der Stadt einsetzen. Wenn ein Projekt wie die Regionalstadtbahn allein schon für den Abschnitt auf Pfullinger Gebiet derart massive negative Auswirkungen für die Stadtentwicklung hat, ist es seine Pflicht, für Aufklärung und Transparenz zu sorgen. Um es klar zu sagen: Es ist noch nicht entschieden, ob eine Strecke durch Pfullingen auf die Alb geführt wird. Es handelt sich um eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2012. Beide diskutierten Trassen sind aus meiner Sicht für Pfullingen fast schon brutal: Die Bahntrasse würde eine sehr gut angenommene Fuß- und Radverbindung mit einem wunderbaren Baumbestand zerstören; die andere Trasse würde das Gesicht der Innenstadt von Pfullingen massiv verändern. Häuser müssten weichen, damit die Regionalstadtbahn sich durch Pfullingen quetschen kann. Vor diesem Hintergrund müssen für Pfullingen viele offene Fragen geklärt und nach Alternativen gesucht werden. Mein Verständnis von gelebter Bürgerbeteiligung ist es, dass bei einer solchen Frage die Pfullingerinnen und Pfullinger frühzeitig sowohl über das OB als auch über das WIE mitentscheiden solle 

5. Was hat Sie im Wahlkampf gestört?

Lassen Sie mich mit etwas Positivem beginnen: Aufgrund der Coronasituation wurden neue Online-Formate zur Präsentation der Kandidaten ausprobiert. Auch wenn sie den persönlichen Austausch nicht ersetzen können, war es doch beeindruckend zu sehen, wie viele Zuschauerinnen und Zuschauer diese Formate genutzt haben. Gestört hat mich, dass es manchmal die Tendenz gab, Pfullingen schlechter zu reden als es ist. Ja, es stimmt: Wir können in vielen Bereichen noch besser werden. Da hätte ich es gern gesehen, wenn Vorschläge und Ideen mit mehr inhaltlicher Substanz und hinsichtlich der Finanzierbarkeit besser ausgeleuchtet worden wären. Mir persönlich waren da zu viele Schlagworte und Allgemeinplätze dabei. Unangemessen empfand ich es, dass vereinzelt versucht wurde, Generationen gegeneinander auszuspielen 

6. „Suchet der Stadt Bestes" ist Ihr Motto – was nehmen Sie aus dem Wettbewerb mit den Kandidaten mit?

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne kreative Ideen entwickle und noch mehr mich dafür einsetze, dass aus Ideen Taten werden: Bürgerbus, Sagenweg, Schulprojekte, Vereinsförderung, Stadtbüro und Barrierefreiheit. In der Tat reifte bei mir in den letzten Wochen die Idee, ein „Pfullinger Praxis Jahr“ (PPJ) aufzubauen. Als langjähriger Personalleiter der Firma Blessing und aus meiner Personalberatungspraxis weiß ich, wie wichtig es ist, junge Menschen vor Ort mit Unternehmen und Vereinen praktisch zusammenzuführen. In Kooperation mit unserer französischen Partnergemeinde Passy und unserer Partnerstadt Lichtenstein/Sachsen könnte hierzu eine internationale bzw. nationale Zusammenarbeit aufgebaut werden. 

7. Es ist Montag, der 26. April 2021 - wie wird sich Martin Fink fühlen? 

 Gut bis sehr gut. Die Pfullingerinnen und Pfullinger haben ihre Entscheidung für den künftigen Bürgermeister getroffen. Seit ich mich zurückerinnern kann, liegen mir die Geschicke und die Entwicklung der Stadt Pfullingen am Herzen. Von daher ist es schön zu wissen, dass ich im Gemeinderat – entweder als Vorsitzender oder als einfaches Mitglied – weiterhin die Zukunftsfragen der Stadt mitgestalten darf. Darauf freue ich mich.

Anzeige im Amtsblatt der Stadt Pfullingen Ausgabe Nr. 16 vom 22.04.2021